Medizinisches Netzwerk der kurzen Wege:
Alles unter einem Dach im Gesundheitszentrum St. Anna
Immer weniger Menschen trauern dem früheren St.-Anna-Krankenhaus in Hadamar nach; denn was inzwischen in dem Gebäude entstanden ist und in naher Zukunft weiter entwickelt wird, kann mit Fug und Recht als modernes Gesundheitszentrum bezeichnet werden. Am Mittwoch stellte die St.-Vincenz-Krankenhausgesellschaft der Bevölkerung die neuen Einrichtungen bei einem „Tag der offenen Tür“ vor. Die Besucher hatten allen Grund zum Staunen.
14 Ärzte in acht Fachrichtungen haben ein ambulantes Versorgungsnetz aufgebaut. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt eine Kurz- und eine Langzeitpflegestation und plant weitere Betten für Schwerstbehinderte. Die Caritas-Sozialstation hat hier ihre Zentrale eingerichtet und am 1. September 2010 eröffnet die gemeinsame Bildungsakademie von Caritas und St. Vincenz. Dann werden im Sankt Anna 150 Alten- und Krankenpflegerinnen ausgebildet.
Vor Ehrengästen der Eröffnungsfeier justierte Dr. Jan Mikeska den Behandlungstisch in seiner neuen Praxis als Durchgangsarzt und Chirurg.
Hadamars Bürgermeister Hans Beresko, zugleich Vorsitzender der Franz Genzler’schen Stiftung als Eigentümerin des Hauses freute sich, dass nach eineinhalbjähriger Umbauphase und einer Investition von 1,1 Millionen Euro das „Gesundheitszentrum St. Anna“ zu einem starken Eckpfeiler für die medizinische Versorgung der Region weiterentwickelt worden ist. Nun solle noch die Eingangsfassade optisch aufgelockert und im Innern eine moderne farbliche Gestaltung erfolgen. Die Umbauarbeiten des zweiten Stockwerks für die Bildungsakademie sind mit 900.000 Euro veranschlagt.
Übersichtlich und großzügig sind die Räume der Caritas-Sozialstation im St.-Anna-Gesundheitszentrum.
Der St.-Vincenz-Verwaltungsratsvorsitzende Erwin Reuhl: „Wir befinden uns mitten im Ausbau und wollen die Gelegenheit nutzen, den jetzigen Ausbaustand zu zeigen.“ Mit der Konzentration ärztlicher Praxen sei nicht nur ein räumliches Angebot der kurzen Wege verwirklicht, vielmehr sollen sie Partner eines Netzwerkes sein und reibungslos zusammenarbeiten. Hier bestehe die Chance, medizinische Standards und Daten abzustimmen.
Reuhl betonte, mit der Unterbringung der Krankenpflegeschule in Sankt Anna gehe ein alter Wunsch in Erfüllung. Die Auszubildenden müssten auch in der nahe gelegenen Psychiatrie und in der Sozialstation lernen, seien also mittendrin. Es würden Synergieeffekte genutzt. Außerdem sei man mit der gemeinsamen Bildungsakademie Bestrebungen des Diözesancaritasverbandes zuvorgekommen, die Ausbildung in Wiesbaden, am zweiten Standort der Altenpflegeausbildung zu konzentrieren. Geschäftsführer der Bildungsakademie in Hadamar werde der jeweilige Schulleiter.
In der Praxis für Anästhesie und Schmerztherapie Dr. Regina Gosmann (2. v. l.) und Thomas Berger wurde das Schröpfen demonstriert, ein Naturheilverfahren, das Gewebe und Muskulatur lockert.
Diözesancaritasdirektor Dr. Hejo Manderscheid berichtete, die Entscheidung über den künftigen Standort Hadamar für die Limburger Altenpflegeschule sei sowohl bei den Auszubildenden als auch beim Lehrpersonal mit großer Zustimmung aufgenommen worden. Derzeit gebe es in der Altenpflegenpflegeschule der Caritas in Limburg und in der Krankenpflegeschule des St. Vincenz jeweils 75 Schülerinnen und Schüler, die ihre Ausbildung getrennt fortführten. Zur Bildungsakademie gehöre auch die Caritas-Altenpflegeschule in Wiesbaden, die dort erhalten bleibe.
„Wir erwarten spätestens in der neuen Legislaturperiode eine Verzahnung zu einem gemeinsamen Ausbildungszweig; dann haben wir die Voraussetzung bereits geschaffen. Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte im Pflege- und Gesundheitswesen, weil die Menschen älter werden und der Bedarf an ambulanter Versorgung zunimmt“, sagte Manderscheid. Zudem sei beabsichtigt, die Bildungsakademie zu einer Institution der Aus-, Fort- und Weiterbildung für alle Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen weiter auszubauen wie auch mit Fachhochschulen und Universitäten zu kooperieren.
In Hadamar stünden geeignete Räumlichkeiten und ein ideales Umfeld zur Verfügung, gerade auch im Blick auf die ungebrochen große Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in der Caritas-Altenpflegeschule. flu / Fotos: Fluck
